Schutzraum

Hildegard Peetz stellt sich auf Räume ein. Entsprechend der Architektur, der Funktion, der Einrichtungsgegenstände, der Geschichte der Räume entwickelt sie ihr Konzept, ihr Installationsobjekt.

Die erste Ausstellung des Kunstvereins Hockenheim e.V. fand in den drei Konferenzräumen der Stadthalle Hockenheim statt. Eigene Räume für Kunstausstellungen werden noch gesucht. Diese drei Konferenzräume scheinen wenig geeignet für eine Kunstausstellung. Verschiebbare Wände mit grau strukturierter Holznachbildung, senkrechten Trennlinien der einzelnen Wandelemente, weiße Feststellknöpfe, ein blau gesprenkelter Fußboden, blaue Vorhänge, ein Holzregal, ein großes Stadtwappen, eine Decke mit viel dekorativer und wenig funktionaler Technik, diese vielen Raumelemente und Vorgaben machen es der Installationskünstlerin nicht gerade leicht, ein Konzept zu entwickeln. Obwohl unser Raumkonzept bei der ersten Begegnung mit Hidegard Peetz noch am Anfang stand, empfand sie diese Situation als keineswegs zu schwierig für sie, eher als Herausforderung. Sie suchte nach autonomen Lösungen, ohne dabei die Raumsituation ganz außeracht zu lassen. Auch die mitausstellenden Künstlerinnen und Künstler schienen für sie keine unwichtige aber eher untergeordnete Rolle zu spielen. Bis zum Schluß unserer Ausstellungsvorbereitungen war Hildegard Peetz offen für einen konstruktiven Dialog.

Daß die Künstlerin hier einen "Schutzraum" installierte, unterstreicht die vorher angedeutete These von ihren Arbeiten als autonomes Objekt und zeigt ihre klare Absicht, auch in diesen Räumen mit den vielen Vorgaben ihre Autonomie bewahren zu wollen. Weiterreichende Bedeutungen des "Schutzraumes" sind natürlich nicht auszuschließen.

Die detailliertere Planung der Installation zeigte ein weißes Partyzelt als Schutzraum, 3m x 3m x 2m mit orangefarbenen Regenmänteln, gleichförmig aufgehängt in mehreren Reihen. Der passende Standort, das Für und Wider der unterschiedlichen Standorte, die Wirkung des "Schutzraumes" auf andere Kunstwerke und die endgültige Präsentation wurden gemeinsam überlegt. Die ursprüngliche Idee, die Installation in dem mittleren Raum zu plazieren, wurde aufgegeben zugunsten einer etwas weniger dominanten Wirkung am Rande des Raumkomplexes. [...]

Als nachhaltige Wirkung nenne ich die Einfachheit, Schlichtheit und Ruhe, die den Schutzraum von Hildegard Peetz auszeichnen.

Hockenheim September 2002
Gisela Späth - Kunstverein Hockenheim

Top